"Er ist bei dir? Das ist gut zu wissen. Ich habe mich schon gefragt, wo er sich verkrochen hat. Wie geht es ihm?"
"Mhm….mhm…. du hast was?!"
"Behalte ihn aber bitte gut im Auge, Vergiftungen könnten sogar für Vampire gefährlich sein. Erst recht, wenn es sich um eine magische Vergiftung handelt!"
Auch das noch. Als würde der arme Narciso nicht schon genug durchmachen. Am liebsten würde er helfen. Magische Vergiftungen und Flüche und so etwas liegen aber leider nicht gerade in seinem Fachgebiet, da weiß Laetitia besser Bescheid. Er wird das also wohl oder übel ihr überlassen müssen. Trotzdem sollte er ihr seine Hilfe zumindest anbieten
“Wenn ich irgendwas tun kann, melde dich wieder bei mir, dann komm ich vorbei.”
“Mhm…wo ich gestern war? Im Wellnesscenter. Ich hab deinen Anruf da leider nicht gehört.”
“Du, ich muss aber Schluss machen. Ich bin auf der Arbeit und hatte gerade nur eine kurze Pause. Der nächste Patient wartet schon.”
“Ja…ja, natürlich. Spätestens bei Finolas Geburtstag. Bis dann, Laetitia!”
Damit hat sich das Rätsel, wo Narciso abgeblieben ist, nun also auch geklärt. Eigentlich hätte er sich gerne selbst um ihn gekümmert, aber Laetitia ist auch keine schlechte Option. Wahrscheinlich ist es sogar besser so, immerhin hat sie mehr Zeit als er selbst.
Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihn nicht noch weiter als Versuchskarnickel für irgendwelche Zaubereien missbraucht.
Bevor er anfängt, sich allzu viele Sorgen zu machen, sollte er sich aber lieber wieder um seine Patienten kümmern. Heute sind erstaunlich viele Kinder in die Klinik gekommen. Hoffentlich ist das kein Anzeichen für einen Ausbruch der Lamagrippe in der Grundschule.
“Guten Morgen, Kleiner! Wie kann ich dir denn helfen?”
“Können Sie mir einen Helm verschreiben oder so? Mein Kopf fühlt sich seit heute Morgen an, als würde er versuchen zu platzen!”
“Ein Helm? Das klingt nach einer ziemlich kreativen Lösung, aber ich glaube, ich kann dir auf eine einfachere Art helfen. Vorher muss ich dich aber noch untersuchen, okay? Sag mal ‘Aaaah…’.”
“Aaahng”
“Und versuche dabei bitte, das Thermometer nicht zu beißen.”
“Fieber. Dachte ich’s mir doch.”
“Ist das schlimm?”
“Aber nein. Schlimm ist das nur, wenn es zu hoch ist. Bei dir bewegt es sich aber noch in einem ungefährlichen Bereich. Das Fieber bedeutet, dass dein Körper eine Krankheit bekämpft. Daher kommen auch deine Kopfschmerzen. Jetzt müssen wir nur noch schauen, was für eine. Dazu muss ich kurz weg und eine Probe auswerten. Du wartest so lange hier auf mich, ja?”
“Okay.”
“Na dann sehen wir doch mal nach, womit wir es hier zu tun haben. Hmm. Hmmm….aha!”
Also doch keine Lamagrippe. Ein Glück.
“So, da bin ich wieder. Ich habe gute Nachrichten! Du hast Blähende Hitze, das ist eine ganz ungefährliche Krankheit, die sich sehr leicht behandeln lässt.”
“Du bekommst nur eine kleine Spitze…keine Angst, ich weiß, das mag niemand gern, aber das ist wirklich nur ein ganz kleiner Pieks. Danach geht es dir gleich besser, du wirst schon sehen!”
“Schon geschafft.”
“Echt? Ich hab gar nix gespürt.”
“Na siehst du. Und deine Kopfschmerzen sollten innerhalb der nächsten halben Stunde auch langsam abklingen. Dann brauchst du keine Angst mehr zu haben, dass dir der Kopf platzt.”
Einem Patienten helfen zu können, verleiht Amando doch immer wieder ein gutes Gefühl. Das ist definitiv einer der Hauptgründe, warum er diesen Beruf so gerne mag, auch wenn er oft anstrengend ist.
“Hast du schon von dem Fall im Zypressenkrankenhaus gehört?”
“Ja, schlimm, oder?”
“Anbgeblich wurde der Ärmste mit einem sehr hohen Blutverlust dort eingeliefert und das von so einer kleinen Wunde.”
Blutverlust? Kleine Wunde? Das klingt doch fast wie…
“Entschuldigen Sie bitte, meine Damen. Darf ich fragen, worüber Sie sich da so angeregt unterhalten?”
“Ah, Doktor De Luna! Mit Ihnen wollte ich darüber auch noch sprechen!”
“Ein paar unserer Kollegen aus dem Zypressenkrankenhaus bekamen vor kurzem einen sehr kuriosen Fall vorgesetzt. Ein junger Mann wurde mit einer kleinen Wunde am Hals in einer Gasse gefunden. Ein Passant hat ihn dort nur zufällig entdeckt. Offenbar litt er unter hohem Blutverlust und das, obwohl keine anderen Wunden zu finden waren.”
"Also, wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich fast sagen, das klingt, als wäre da ein Vampir am Werk gewesen!”
“Ein Vampir? Ach komm, Emilia, das sind doch nur Schauermärchen.”
“Schon, aber wenn…dann würde ich mich nachts draußen nicht mehr sicher fühlen.”
Mit einem mal wird dieses Gespräch sehr unangenehm. Amando will sich aber nichts anmerken lassen.
“Sagen Sie, Doktor De Luna, hatten wir vor einer Weile nicht mal so einen ähnlichen Fall?”
“Äh…so ähnlich, ja. Nur, dass die Patientin zusätzlich einen hohen Blutalkoholspiegel besaß.”
“Das klang für mich ursprünglich ja immer eher wie das Ergebnis einer wilden Party, die irgendwie schiefgelaufen ist.”
“Oder so eine Art missglückter Ritualmord!”
“Ach, Madeleine, mach mir doch nicht noch mehr Angst bitte!”
“Glauben Sie denn, diese Fälle könnten zusammenhängen, Doktor De Luna?”
Eine sehr gute Frage, die Amando sich auch sofort selbst gestellt hat. Dieses Krankenhaus ist aber ein gutes Stück von hier entfernt. Sind die Verantwortlichen für die Vampirangriffe etwa in den Süden weitergereist? Das würde die Sache für ihn nur komplizierter machen. Wo er doch gehofft hatte, bald eine Spur zu finden…
“Nun, das kann ich leider nicht sagen. Eine gewisse Ähnlichkeit ist sicherlich vorhanden, aber da es sich dabei offenbar um die Folgen einer Gewalttat handelt und nicht um eine Krankheit, liegt es doch eher im Aufgabengebiet der Polizei, das herauszufinden, oder?”
“Ja, da haben Sie wohl recht….aber spekulieren können wir ja trotzdem.”
Das kann er seinen Kolleginnen natürlich nicht verbieten. Trotzdem ist und bleibt die Sache unangenehm für ihn. Sollten die Damen jemals herausfinden, was tatsächlich dahintersteckt, kann er seine Stelle hier im Krankenhaus wahrscheinlich vergessen.
“Sicher. Aber vergessen Sie bitte Ihre Arbeit nicht darüber, ja? Herr Schönbach wartet schon seit einer Weile auf seine Medikamente."
“Oh, natürlich! Ich mache mich sofort wieder an die Arbeit. Manchmal vergesse ich bei einem so spannenden Gespräch doch glatt die Zeit."
“Das geht uns bestimmt allen so."
"Ich muss dann aber auch weiter. Heute ist wieder mal viel los.”
Amando ist mehr als erleichtert, als er endlich wieder bei einem Patienten ist und über ein völlig anderes Thema sprechen kann. Das ist nichts, worüber er sich heute Sorgen machen will.
Eigentlich hatte er bis vorhin sogar noch an etwas komplett Anderes gedacht. Sein letztes Date mit Xiu und dessen unglückliches Ende gehen ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Da wollte sie ihm nur etwas Gutes tun und dann das. Irgendwie will er das wiedergutmachen.
Sein erster Instinkt war, sie zum Essen einzuladen. Andererseits ist das vielleicht nicht ganz angebracht. Er wollte ihr ja noch etwas sagen und in der Öffentlichkeit kann er das vergessen. Aber vielleicht bei ihm zuhause?
Ja, warum eigentlich nicht? Seine Wohnung ist zwar kein schönes Restaurant, aber gemütlicher ist sie allemal und ist es nicht irgendwie persönlicher, wenn er selbst etwas für sie kocht? Das einzige Problem dabei ist, dass er darin absolut keine Übung hat. Aber so schwer kann das ja eigentlich nicht sein, wenn selbst Narciso das hinbekommt. Er braucht nur noch ein paar Zutaten.
Etwas später zurück in Amandos Wohnung
“Marietta, ich bin zuhause! Ich war eben noch einkaufen, deshalb hab ich mich ein bisschen verspätet.”
“Gut, dass es im Supermarkt auch ein kleines Regal mit Kochbüchern gab, das hilft bestimmt.”
Vor dem Wochenende hat Xiu wahrscheinlich sowieso keine Zeit, also hat er noch ein paar Tage Zeit, um etwas zu experimentieren. Oder sich überhaupt in der Küche zurechtzufinden. Seit er hier wohnt, wurde die praktisch noch nie benutzt.
“Also mal schauen. “Hacken Sie eine Knoblauchzehe klein und-” äh…nein. Dieses Rezept lieber nicht. Aber vielleicht das da? Fisch klingt doch gut!”
Es braucht eine Weile, bis Amando in der Küche alles gefunden hat, obwohl sie nicht sonderlich groß ist. Sobald die Zutaten vor ihm liegen und das Werkzeug neben ihm, fühlt er sich zumindest ein bisschen sicherer.
Wenn er das Ganze wenigstens ordentlich abschmecken könnte, ohne dass sich ihm dabei gleich der Magen umdreht. Bei Narciso sieht das immer so einfach aus. Der hat aber auch das Glück, dass er normale Nahrungsmittel zu sich nehmen kann, ohne sich davon übergeben zu müssen.
“Hmm….also zumindest riecht es ganz gut….denke ich…”
Alles, was Amando tun kann, ist, sich an seiner Erinnerung zu orientieren. In seiner Kindheit hat er menschliche Nahrung ja noch vertragen. Damals hat sie ihm sogar geschmeckt. Sein Vater war zwar nicht unbedingt der beste Koch, aber der Schlechteste war er sicher auch nicht. Zumindest, wenn man von seinen berüchtigen Käsemakkaroni aus dem Zauberkessel mal absieht, die hatten immer so einen seltsam froschigen Nachgeschmack...
“Und wenn sie höflich ist, sagt sie sowieso nichts dagegen…”
“Ach, wem mach ich eigentlich was vor? Dafür ist sie viel zu ehrlich! Na, hauptsache, ich vergifte sie nicht.”












































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