Forgotten Hollow, Narcisos Haus
“Verdammt, Derek, geh endlich an dein Dreckstelefon!”
Das ist jetzt schon das dritte mal heute Abend, dass Narciso versucht einen seiner Freunde zu erreichen - erfolglos.
Da hat er endlich mal Semesterferien und damit wirklich Zeit und dann wird er einfach ignoriert. Und sowas nennt sich ‘Freunde’...
“Scheiße…wollt ihr mich hier vor Langeweile sterben lassen?”
“Was mach ich denn jetzt? Die ganze Nacht alleine Rumsitzen ist nicht, da geh ich ein.”
“Ob ich Amando ein bisschen nerven gehen sollte? Nee, sonst fragt der noch was mit dem Dach ist…”
“Ach ja, das Dach….muss ich auch mal wieder aufwischen gehen.”
“Und….sauber!”
“Zaubern ist schon geil. Ich versteh, warum Papa nie nen Finger gerührt hat im Haushalt früher. Hat sich ja alles von alleine erledigt. Mann, Amando tut mir leid, dass der das nicht kann.”
Wirklich viel mehr als Böden sauberzuzaubern kann Narciso allerdings auch nicht. Noch nicht. Es ist schließlich noch gar nicht mal so lange her, seit er entdeckt hat, dass er überhaupt in der Lage ist, Zauber zu wirken.
“Vielleicht üb ich das heute Nacht einfach ein bisschen. Ist auch ne Beschäftigung.”
Also macht Narciso sich an die Arbeit. So schwer kann das ja nicht sein, oder? Das mit den Pfützen kann er mittlerweile im Schlaf. Funktioniert das auch, um die Küche zu putzen? Oder vielleicht sogar sie aufzuwerten?
Immerhin sprühen schon mal viele schöne bunte Funken aus seiner Hand. Das kann ja nur gut sein. Er spürt förmlich, wie er die magische Energie aus seinem Inneren über seine Fingerspitzen im Raum manifestiert.
Wenn er sich jetzt nur lange genug auf den Kühlschrank konzentriert, dann…
….fängt der plötzlich an zu rauchen und Funken zu sprühen?!
“Oh, Mist….das wollte ich eigentlich nicht.”
Aber wenn er es schon geschafft hat, den Kühlschrank durch Magie kaputt zu machen, dann müsste er ihn doch eigentlich auch auf diese Art reparieren können. Er muss einfach nur das Gegenteil von dem tun, was er eben getan hat. Also, wie war das noch gleich?
“...ich hab gerade nicht wirklich meine Hose angezündet, oder?”
“DRECK!!”
Eine Weile später, nachdem Narciso sich selbst löschen das Feuer unter Kontrolle bringen konnte
“Okay…keine Zauberübungen auf eigene Faust mehr. So wird das nix. Ich brauch nen Lehrer…”
“In dieser komischen Zauberwelt kann ich mich aber auch nicht blicken lassen, die schmeißen mich als Vampir doch hochkant wieder raus, nach dem, was Mama sich damals geleistet hat.”
“Da bleibt nur eins…Zeit für einen Ausflug.”
Glimmerbrook, hinter dem Haus der Mac Naoimhíns, kurz nach Mitternacht
“Ciao, Laetitia! Wusste ich’s doch, dass du noch wach bist.”
“Narciso? Das ist aber eine Überraschung!”
“Komm doch mit rein, ich wollte gerade einen Tee machen.”
“Klar.”
"Na, was kann ich heute für meinen kleinen Bruder tun? Brauchst du etwa auch einen Liebestrank?"
“...hä?”
"Haha, okay. Deiner Reaktion nach zu urteilen wohl nicht."
"Wie kommst du da überhaupt drauf?"
"Evan hatte letztens einen bestellt…"
"Opa?! Seit wann hat der sowas nötig?"
"...für Amando."
"Ah…ja, das macht mehr Sinn. Warte…war das etwa seine tolle Idee, wegen der er sich einfach verpisst hat, als wir mitten im Gespräch waren? Der hat ja Nerven…"
"Gibt es da Etwas, das wissen sollte?"
"Nee, schon gut. Ist ne lange Geschichte. Aber für Familientratsch bin ich auch eigentlich gar nicht hergekommen."
"Dann bin ich ruhig. Aber was willst du dann? Mich einfach nur besuchen offenbar ja nicht."
"Jain. Will ich schon. Aber ich wollte…äh…dir was zeigen. Und dich fragen, ob du helfen kannst."
"Amando ist der Arzt in der Familie, nicht ich. Wenn es sich nicht gerade um einen Fluch handelt, würde ich dir empfehlen lieber mit ihm zu reden."
Irgendwie will Narciso gar nicht wissen, was seine Schwester gerade denkt. Es ist wohl besser, er zeigt es ihr einfach. Also steht er auf und macht sich auf den Weg in den Keller.
"So schlimm isses dann auch wieder nicht. Komm einfach mal mit."
“Na da bin ich mal gespannt.”
“Mann, war ich lang nicht mehr hier…”
“Früher hab ich hier unten so gern gespielt.”
“...und regelmäßig fast Papas Kessel umgeworfen, mit Inhalt.”
“Äh, ja…aber pass mal auf!”
Narciso hofft inständig, dass er nicht wieder irgendwas anzündet, als er seine Magie demonstriert. Glücklicherweise fliegen diesmal aber wieder nur ein paar bunte Funken.
Laetitias geschockte Reaktion war abzusehen.
"Du…kannst zaubern? Aber wie…? Seit wann?"
"Seit du mich damals von den Toten zurückgeholt hast, glaub ich. Ich weiß nicht, ob es der Besuch im Jenseits war, oder die Berührung mit deiner Magie, aber irgendwie hat das mein Magierblut aktiviert. Schade, dass Papa nicht hier ist, um das zu sehen."
"Narciso…das ist ja fantastisch!"
“Ich habe mir schon solche Sorgen gemacht, dass unsere Line ausstirbt, weil…du weißt ja. Caít und Finola haben diese Begabung leider nicht.”
“Freut mich, dass du dich freust. Aber apropos Caít, die müsste gerade ja auch Semesterferien haben. Ist sie hier?”
“Nein, tut mir leid. Sie wollte die freie Zeit nutzen um in den Urlaub zu fliegen.”
“Ah….schade. Hab sie schon lange nicht mehr gesehen.”
“Warum rufst du sie nicht einfach mal an und lädst sie ein? Ihr wart doch sonst immer so gute Freunde.”
“Schon. Sollte ich wirklich mal machen. Vielleicht hat sie nach dem Urlaub ja noch Zeit.”
“Aber zurück zum Thema. Du bist hergekommen, um mir deine Magie zu zeigen? Warum hast du das nicht schon früher gemacht?”
“Weil….naja….ich dachte, ich kann das alleine lernen und ich war immer so beschäftigt und so…”
“Und jetzt hast du gemerkt, du kannst das nicht. Schon gut. Da bist du bei mir an der richtigen Adresse. Ich wollte schon immer mal einen Zauberlehrling haben!”
“Dann hast du jetzt einen! Zeig mir, wie man zaubert, ohne dabei seine Hose in Brand zu stecken!”
“...was? Okay…..am besten, wir fangen bei Null an…”
“Mach mir einfach nach! Und achte genau auf die Bewegungen.”
Eine Zauberlehrstunde später
“Wow, so geht das also! Jetzt macht das Alles viel mehr Sinn. Danke!”
“Gern geschehen. Also, sehen wir uns dann nächste Woche wieder?”
“Wieder am Donnerstag?”
“Wenn das für dich passt. Aber ruf nächstes mal besser vorher an.”
“Mach ich. Ciao, Laetitia!”
Wieder zuhause
Narciso versucht gegen Ende der Nacht noch einmal, seine Freunde zu erreichen. Diesmal kommt er endlich durch.
“...Yo, Korey! Endlich geht einer von euch mal ran! Sag mal, hast du Derek in letzter Zeit mal gesehen? Der Sack geht nicht an sein Telefon.”
“...nein?”
“Schon seit wir uns das letzte mal getroffen haben nicht mehr?”
“ ‘kay…wir sehen uns.”
“Derek dieser….preist erst seine komische Seite da an und dann verschwindet er einfach! Und meine Lieferung hab ich auch immer noch nicht…”


























































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