Kapitel 11: Zwangsurlaub

 




“…und der Preis für den Arzt des Jahres geht an…”



…Doktor De Luna?



Doktor De Luna!



"Mmmmh....ja...."



“Mmmh….hm?”



“Huch? Oh nein! Bin ich etwa schon wieder eingeschlafen? Ich meine…ich habe nur kurz meine Augen ausgeruht, Emilia! Geschlafen habe ich natürlich nicht!”



“Doktor De Luna….Sie müssen mich nicht anlügen. Ich habe gesehen, wie friedlich sie geschlafen haben. Heute und die Tage zuvor auch schon. Ich wollte mit Ihnen darüber reden.”



“Ich….uh….das….ich weiß gar nicht, was ich sagen soll…das tut mir-”



“Schon gut, Sie müssen auch nichts dazu sagen. Ich weiß genau, was zu tun ist.”



“Bitte melden Sie mich nicht beim Chef…”



“Was? …oh! Nein, nein, das hatte ich nicht vor. Niemand hier will Sie feuern, Sie sind schließlich immer noch unser bester Arzt. Nein, ich bin hier, weil ich Ihnen sagen wollte, dass Sie aussehen, als hätten Sie einen Urlaub ganz dringend nötig. Sie arbeiten immer so fleißig, warum nehmen Sie sich nicht ein paar Tage frei?”



“...frei…?”

“Ja, Sie wissen schon. Wenn Sie einfach zuhause bleiben oder etwas Anderes tun statt zur Arbeit zu kommen.”



“Aber Krankheiten und Verletzungen nehmen sich auch nicht frei!”



“Ach, machen Sie sich um die Patienten hier keine Sorgen. Ich und die Mädels schaffen das schon. Außerdem helfen Sie auch niemandem damit, wenn Sie hier ständig einschlafen und bei der Arbeit unkonzentriert sind.”



“Aber…das…uhm…”

Ein wirkliches Gegenargument fällt Amando jetzt auch nicht mehr ein. Dafür ist er zu müde. Seufzend gibt er also kleinbei.

“Ja….vielleicht haben Sie Recht, Emilia.”



“Natürlich hab ich das. Also, warum gehen Sie für heute nicht einfach nach hause und tauchen hier vor nächster Woche nicht wieder auf?”



Widerstand wäre sowieso zwecklos. Dass das mit seinen Nickerchen eigentlich einen anderen Grund hat, will Amando seiner Kollegin aber auch nicht unter die Nase reiben. Außerdem nimmt er sich wirklich viel zu selten frei. Vor allem in letzter Zeit mit all den Opfern von Vampirübergriffen. Wobei er zugeben muss, dass die mittlerweile auch schon wieder weniger geworden sind. Vielleicht sollte er die Gelegenheit nutzen, sich etwas auszuruhen, auch, wenn er es ungern tut. Er beherzigt also Emilias Rat, meldet sich für heute und die kommenden Tage ab und geht tatsächlich nach hause, obwohl es gerade erst Nachmittag ist. Wenigstens steht die Sonne tief genug, dass sie ihm nicht mehr allzu sehr schadet.



Etwas später in San Myshuno


“Marietta, Überraschung! So früh hättest du nicht mit mir gerechnet, hm?”



“Ich wurde mehr oder weniger dazu gezwungen, mir Urlaub zu nehmen.”



“.........tja……und jetzt?”



“Was mache ich denn jetzt mit der ganzen freien Zeit? Die werde ich ja wohl kaum verschlafen können.”

So langsam wird Amando bewusst, wie sehr er eigentlich für seine Arbeit lebt. Hobbys hat er schon lange keine mehr. Die meiste Zeit, wenn er nicht arbeitet, nicht schläft und nicht mit Marietta redet, verbringt er damit, sich im Internet über die neuesten Durchbrüche der medizinischen Forschung zu informieren. Also auch wieder Arbeit, irgendwie.



Außerdem hat eine Woche Abwesenheit vom Krankenhaus noch einen anderen Nachteil. An frische Blutkonserven kommt er so jedenfalls nicht mehr so leicht und ob der Vorrat reicht, bis er wieder arbeiten geht, ist fraglich. Sicher, es gibt Alternativen, aber denen hat er eigentlich schon lange abgeschworen. Von fester Nahrung wird ihm übel und direkt von anderen Sims trinken möchte er auch nicht, davon bekommt er immer so ein schlechtes Gewissen.



Vielleicht sollte er Narciso fragen, ob der ihm etwas anbieten kann. Im Gegensatz zu dessen Geldbeutel ist sein Kühlschrank immer erstaunlich gut gefüllt. Ist ja aber auch kein Wunder bei seinem Hobby- nein. Bei seiner Berufung, wie er es nennt.



Ein paar Tage hat er aber noch Zeit. Und was macht er so lange? Nur herumsitzen lohnt sich auch nicht.

“Was meinst du, Marietta? Soll ich Xiu fragen, ob sie sich mit mir treffen will?”



“Aber wie frage ich sie am Besten? Ich will ja auch nicht aufdringlich wirken.”



“Andererseits….wäre das wirklich aufdringlich? Unser letztes Date ist ja auch schon wieder ein Weilchen her. Seitdem habe ich nur mit ihr geschrieben.”



“...ach, ich mach das jetzt einfach! Wird schon schief gehen.”

Amando wählt schnell Xius Handynummer, bevor der Mut ihn verlassen kann.



“....hi, Xiu. Hier ist Amando.”



“Nein, ich habe den restlichen Tag heute frei. Deshalb wollte ich dich-”



“...ach, echt? Das ist ja ein lustiger Zufall. Umso besser. Sag mal, hast du Lust ins Kino zu gehen?”



“Das können wir auch noch spontan entscheiden. Ich weiß auch nicht, was gerade läuft, aber das Kino hat zwei Säle. Einer der beiden Filme wird schon gut sein. Abends laufen auch keine Kinderfilme mehr.”



“...ja? Gut. Dann treffen wir uns doch um 19:00 Uhr an unserem Treffplatz und ich kann dir zeigen, wo das Kino ist.”



“Ja….ich mich auch. Dann bis heute Abend!”



Puh, geschafft. Ein bisschen nervös ist Amando ja schon. Den ersten Schritt zu machen fällt ihm immer noch nicht leicht, vor allem jetzt nicht. Das mit Xiu ist ihm zu ernst, einen Fehler will er sich da nicht erlauben. Umso besser, dass sie ebenfalls die Idee hatte, ihn nach einem Treffen zu fragen.

“Marietta, ich gehe heute Abend nochmal weg.”



Ein wenig Zeit hat er aber noch. Auch, wenn Xiu ihm gesagt hat, dass sie sein Äußeres in Ordnung findet, wie es ist, heißt das ja nicht, dass er sich nicht trotzdem ein bisschen Mühe geben kann.



Für diese übertriebenen Klamotten ist es heute definitiv zu warm, aber vielleicht kriegt er nach einer Dusche ja wenigstens sein Haar gebändigt…

 

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