Kapitel 4: Beunruhigende Neuigkeiten

 

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Glimmerbrook, früher Morgen


Nach einer längeren Reise aus San Myshuno kommt Evan endlich in dem verschlafenen Örtchen an.

“Ah, gerade noch vor Sonnenaufgang geschafft.”



Trotzdem sollte er sich beeilen. Es dauert nicht mehr lange, bis die Sonne weit genug über den Horizont geklettert ist um ihm zu schaden.



Glücklicherweise ist der Weg bis zu seinem Ziel nicht mehr allzu weit.



Beim Haus angekommen, klopft er an die Tür. “Laetitia, bist du wach?”



Ja, komm ruhig rein!” 

Nichts lieber als das. 

Ich bin in der Küche.



“Morgen Herr Mac Naoimhín.”

“Morgen Herr Vectura.”



“Laetitia! Guten Morgen meine Liebe. Bitte verzeih, dass ich dich zu solch früher Stunde schon belästige”



“Ach, du belästigst mich überhaupt nicht. Ich freue mich doch immer, meinen Großvater zu sehen.”



“Ein wenig paradox, dich das sagen zu hören. Du bist ziemlich grau geworden, Mädchen. Willst du nicht lieber einen Verjüngungstrank brauen? Das kannst du doch, oder?”



“Ich denke ja. Aber das werde ich nicht tun. Ich habe beschlossen, mit Ian zusammen alt zu werden.”

“Und zu sterben?”



“Das gehört dazu. Ich habe lange genug gelebt. Ich habe viel gesehen, viel gelernt, habe einen tollen Mann getroffen und geheiratet, zwei wundervolle Töchter bekommen….oh, apropos. Finola, willst du deinem Urgroßvater nicht hallo sagen?”

“Hallo alter Mann.”



Finola!

“Was?!”

“Bitte verzeih, Evan. Sie ist eben ein Teenager…”

“Schon verziehen. In dem Alter haben die Wenigsten Zeit für ihre ältere Verwandtschaft.”



“Aber zum eigentlichen Grund meines Besuchs. Hast du hergestellt, worum ich dich am Telefon gebeten habe?”



“Ja, natürlich! Gib mir nur einen Moment, ich hole es eben aus dem Keller.”



“...........und, was macht die Schule?”

“Lass mich einfach in Ruhe…”



Es dauert nicht lange, bis Laetitia aus dem Wohnzimmer ruft.

Evan?

“Ich komme schon!”



“Hier, bitte.”

“Vielen Dank.”



“Aber darf ich fragen, wozu du das brauchst? Ich dachte immer, du hättest so etwas nicht nötig.”



“Oh, nein, das habe ich auch nicht! Aber es ist ja auch nicht für mich.”



“Aha? Sondern?”

“Amando.”



“...verstehe…hoffentlich geht das gut.”



“Und selbst wenn nicht, dann lernt er wenigstens eine wichtige Lektion.”

“Ich hoffe, du hast Recht.”



“Ach, bestimmt. Vertrau mir. So, nun entschuldige mich aber. Ich muss los. Ich habe einen langen Weg zurück nach San Myshuno und während die Sonne am Himmel steht brauche ich noch wesentlich länger.”



“Pass auf dich auf!”

“Mache ich. Wir sehen uns, Laetitia.”



Zurück in San Myshuno, kurz vor Sonnenuntergang


“Amando? Ich bin zurück, wie angekündigt.”

Komm rein.



Amandos erster Anblick ist ein wenig enttäuschend. Hatte Evan ihm nicht aufgetragen gehabt, sich besser zu kleiden?

“Trägst du etwa immer noch diese schrecklichen Sachen?”



“Ja….ich komme gerade erst aus der Arbeit und hatte noch keine Zeit. Außerdem ist, wie du sehen kannst, mein PC kaputt gegangen. Das hatte gerade Priorität.”



“Dann solltest du deine Prioritäten vielleicht noch einmal überdenken. Hast du denn wenigstens in der Zwischenzeit nachgesehen, ob du etwas akzeptablere Kleidung besitzt?”



“Jaja, nur keine Sorge. Ich habe noch eine ordentliche schwarze Hose ohne Löcher gefunden und ein Hemd und eine Weste.”



“Aber das war doch nicht alles, oder? Du hattest mir ein…äh…’Hilfsmittelchen’ versprochen?”



“Natürlich. Und wie versprochen bin ich hier um zu liefern. Bitte sehr.”



“...ein Liebestrank? Wirklich?”



“Willst du ihn nicht? Ich kann ihn auch wieder mitnehmen.”



“Nein, nein! Ich meine doch. Ich will ihn. Vielen Dank dafür.”

“Keine Ursache. Für meinen Enkel tu ich doch alles.”



“Rein aus Neugier….darf ich fragen, wo du den her hast?”



“Von deiner Schwester.”

“Oh…”



“Eigentlich hättest du sie auch direkt fragen können, aber ich fühle mich geschmeichelt, dass du in Sachen Liebesdingen zuerst an mich als den Experten denkst. Was ich selbstverständlich ja auch bin.”

“Ja, daran hätte ich echt denken können….aber ich bin dir trotzdem dankbar.”



“Was hast du jetzt noch vor? Die Nacht ist ja eben erst angebrochen.”



“Nun, ich werde zunächst nach hause gehen und mich entspannen. Ich denke, eine kleine Auszeit habe ich mir durchaus verdient.”



“Verstehe. Ja, das hast du wirklich. Danke nochmal. Komm gut nach hause.”

“Und dir viel Erfolg bei der Partnersuche. Denk daran, ein gepflegtes Äußeres kann auch schon sehr viel ausmachen.”



Wieder eine ganze Weile später, in Forgotten Hollow


“Ah, endlich wieder zuhause. Jetzt ein entspannendes Bad und dann-”

Hallo, Evan!



Welch unerwarteter Besuch. Nur leider zum völlig falschen Zeitpunkt.

“Oh…guten Abend, Nachbar. Was treibt dich bei diesem Wetter denn nach draußen?”

“Wenn ich ehrlich sein soll…Langeweile. Außerdem wollte ich mit dir reden.”



Definitiv zum falschen Zeitpunkt. Normalerweise würde Evan ihn ja nicht einfach wieder fortschicken, aber im Augenblick möchte er ausnahmsweise wirklich ein bisschen Ruhe. 

“Das ist gerade leider ein wenig ungeschickt. Ich wollte heute Nacht eigentlich eine kleine Pause machen.”



“Aber sag, Caleb….haben du und Lilith morgen Abend schon etwas vor?”



Caleb braucht nicht lange um zu verstehen, worum es geht. 

“Evan…ich hüpfe ja gern mit dir ins Bett…



“...aber nicht im Beisein meiner Schwester! Ich dachte, das hätten wir geklärt."



War klar. Langweiler. Trotzdem kann Evan sich das Grinsen nicht verkneifen. 

“Einen Versuch war’s wert.”



“Du wirst wohl nie damit aufhören, oder? Ich bin versucht, dir sofort deine Ruhe zu lassen, aber eines muss ich trotzdem noch wissen. Angeblich soll sich eine neue Meistervampirin hier in der Gegend eingenistet haben. Hast du davon schon gehört?”

 


“...was?!

 

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