Die Musik aus der Karaokebar lässt Amando schon ahnen, dass er mit seiner Annahme richtig liegt.
Kurz darauf bestätigt sich der Verdacht. Das Gebäude ist gut gefüllt mit Sims, die nach Spaß und Abwechslung suchen. Wahrscheinlich haben Einige von ihnen selbst jetzt erst Feierabend. Er kann schließlich nicht der Einzige sein, der bis in den späten Abend hinein arbeitet.
Vielleicht versucht er sich später auch noch am Karaoke. Zuerst führt sein Weg ihn aber direkt an die Bar. Dort trifft man ja bekanntlich am schnellsten Leute.
“Barkeeper? Einen Plasma Jane, bitte.”
“Mach gleich zwei draus!”
“Was zum…?”
Erschrocken dreht Amando sich um. Gehört diese Stimme nicht…?
“Yooo, Amando, Bro! Lange nicht gesehen!”
Also doch.
Noch bevor Amando großartig reagieren kann, setzt sein Überraschungsgast sich auch schon neben ihn. Zeit, ihn zur Rede zu stellen.
“Narciso?! Was tust du denn hier?”
“Ich hab dich auch vermisst, Bruder."
Touché. Vielleicht war die Begrüßung doch ein bisschen zu unfreundlich. Also nochmal.
Nachdem er einmal tief durchgeatmet hat, setzt Amando erneut an:
“Schon gut, tut mir leid. Aber die Frage steht trotzdem."
Narciso lacht.
"Was ich hier mache? Na dich besuchen, siehst du doch. Ich war gerade auf dem Weg zu dir, da hab ich dich vorbeilaufen sehen. Also bin ich hinterher. Hab gehört, du bist mal wieder befördert worden. Krasse Sache. Die schieben dir das Geld förmlich in den Arsch, oder? Lass uns feiern!"
"Aber woher…?"
"Vertrau mir einfach. Ich hab meine Quellen. Bruderinstinkt und so."
"Bruderinstinkt, ja? Ich glaube, ich ahne so langsam, was hier los ist. Du willst mich wieder anpumpen, oder?"
"Waaas, ich? Dich anpumpen? Würde ich doch niiie machen! Ich dachte nur…äh…weißt du, mein Vermieter sitzt mir echt unangenehm im Nacken…"
"Volltreffer.” Amando seufzt. Das ist nicht das erste mal, dass sein kleiner Bruder ihn nach Geld fragt. Wahrscheinlich auch nicht das letzte mal. “Also schön…du hast ausnahmsweise richtig geraten, ich wurde demletzt tatsächlich befördert und hab auch kleinen Bonus bekommen. Wie viel brauchst du?"
"Och, nicht viel! Nur so…zehntausend Simoleons?"
"Zehntausend…?!” Für einen Moment verschluckt Amando sich fast an seinem Plasma Jane. Hat er das gerade etwa richtig gehört? “So viel Miete kostet deine kleine Bruchbude doch in fünf Jahren nicht!"
"Nee, das nicht...aber wie du sagst, Bruchbude. Der Schuppen fällt um mich rum auseinander. Das Dach hat mehr Löcher als mein Salatsieb! Und weil ich sonst nicht so viel dafür zahlen muss, muss ich das eben alles selbst stemmen."
“Und warum tust du das dann nicht? Besorg dir ein paar Bretter und Nägel, nimm einen Hammer in die Hand und reparier das Dach selbst.”
“Mann, Amando! Ich bin Koch, kein Handwerker, okay? Ich kann mir nicht leisten mir die Finger kaputtzuhauen. Das sind die Instrumente eines Künstlers!”
Na klar. Künstler. “Als ich dich das letzte mal gefragt hatte, warst du noch Tellerwäscher.”
“Hey, jeder fängt mal klein an. Außerdem studiere ich noch. Ich hab nicht so viel Zeit zum arbeiten und irgendwas muss ich doch auch essen.”
“Hast du es schon mit dem Postboten versucht? Jeder, der in Forgotten Hollow die Post austrägt, muss doch damit rechnen, nicht ohne ein schickes neues Paar Löcher im Hals wieder dort rauszukommen.”
“Bah, du hast einfach keinen Stil!”
“Und du kannst es dir nicht leisten, wählerisch zu sein.”
“Also kein kleiner Vorschuss für mich? Komm schon…”
Kleiner Vorschuss nennt der das...eigentlich sollte Narciso endlich mal lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Andererseits war Amando ja selbst mal Student. Es passt ihm zwar nicht, aber ewig hält er dem Gebettel dann doch nicht mehr stand. Schließlich steht er auf und überreicht seinem Bruder, nach was er verlangt hat. “Nimm einfach. Ich hab vielleicht keinen Stil, aber meinen kleinen Bruder hängen zu lassen ist auch nicht meine Art.”
“Woah! Danke Bro!”
“Und jetzt lass uns feiern. Lust auf Karaoke?”
“Sicher.”
Eines muss Amando zugeben: Narciso hat ihn ganz schön abgelenkt. Sein Bruder mag zwar manchmal lästig sein, aber im Grunde hat er seinen Wunsch nach einem Gesprächspartner mehr als erfüllt. Mal wieder Karaoke zu zweit ist ein Spaß, wie er ihn schon lange nicht mehr hatte. Nach ein paar Liedern sind beide völlig aus der Puste.
“Und ich vergesse immer wieder, dass du beim Singen klingst als würde gerade jemand die Nachbarskatze quälen.”
“Kann halt nicht jeder alles haben. Einer von uns hat das gute Aussehen geerbt, der andere die schöne Stimme.”
“Haha, sehr lustig. Komm, setzen wir uns.”
“Wie läuft’s eigentlich bei dir so, außer dass du eine Beförderung nach der anderen verdienst? Hast du jetzt endlich ne Freundin?”
Kein gutes Thema für Amando. Damit trifft sein Bruder auf einen Nerv, der ihm das Lachen vergehen lässt. “Nein.”
“Nein? Ich dachte, du bist schon ewig auf Suche. Muss da nicht endlich mal eine anbeißen?”
“Ich…naja…ich hab…” Keine Ausrede. Keine Gute zumindest. “...keine Zeit.”
“Schwachsinn! Wenn du keine Zeit hättest, dann würdest du nicht nachts in ner Karaokebar rumsitzen und dich von deinem kleinen Bruder nerven lassen. Spuck’s aus! Was ist wirklich das Problem?”
Wenn er das nur selbst wüsste. Schon so oft hat er versucht, Frauen anzusprechen. Manche antworten ihm sogar und lassen sich in nette Gespräche verwickeln, aber zu einer Beziehung hat das Ganze noch nie geführt. Nicht einmal zu einmal zu einem One Night Stand. Egal, was er jetzt erzählt, Narciso würde das wahrscheinlich sowieso durchschauen. Warum also lügen? “...ich weiß es nicht. Vielleicht mögen die einfach nicht meine Art, oder…meine Frisur oder so…irgendwas mache ich falsch.”
“Klingt, als könntest du Hilfe gebrauchen.”
Jetzt wird Amando hellhörig. Hat Narciso ihm da etwa gerade wirklich Hilfe angeboten? “Du kannst mir helfen?”
“Was, ich? Nee, lass mal! Ich meinte jetzt eher von nem Experten.”
“Ein Experte…." Das Wort lässt Amando sich auf der Zunge zergehen. Plötzlich hat er eine Eingebung. "Ich glaube, die Sonne geht bald auf. Ich mache mich besser auf den Weg nach hause.”
Wie ferngesteuert springt Amando auf und geht in Richtung Tür. Narciso ruft ihm noch hinterher:
“Was? Aber du wohnst doch gleich um die Ecke! Und außerdem dauert es noch ein paar Stunden, bis-”
“War nett mit dir, Narciso! Sollten wir mal wiederholen. Bis dann!”
So schnell seine Beine ihn tragen, geht Amando zurück zu seiner Wohnung. Ein Experte also. Aber natürlich! Warum ist er da nicht selbst drauf gekommen? Er kennt doch sogar jemanden, auf den diese Bezeichnung ganz gut passt.
“Bin zurück, Marietta.”
Ohne Umwege lässt Amando sich auf das Sofa fallen und zückt sein Telefon. Zeit, den besten Experten für diesen Fall anzurufen, den er kennt.
“...hallo, Opa?”
So schnell seine Beine ihn tragen, geht Amando zurück zu seiner Wohnung. Ein Experte also. Aber natürlich! Warum ist er da nicht selbst drauf gekommen? Er kennt doch sogar jemanden, auf den diese Bezeichnung ganz gut passt.
“Bin zurück, Marietta.”
Ohne Umwege lässt Amando sich auf das Sofa fallen und zückt sein Telefon. Zeit, den besten Experten für diesen Fall anzurufen, den er kennt.
“...hallo, Opa?”










































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